Sonntag, 10. Juni 2007

Danach

Es wird nach einem happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.
Man sirht bloß noch in ihre Lippen
den Helden seinen Schnurrbart stippen-
da hat sie nu den Schentelmen.
Na, un denn-?

Denn jehn die beeden brav ins Bett.
Na ja... diß is ja auch janz nett.
A manchmal möchte man doch jern wissen:
Wat tun se, wenn se sih nich kissn?
Die könn ja doch nich imma penn...!
Na, un denn-?

Denn säuselt im Kamin der Wind.
Denn kriecht det junge Paar ´n Kind.
Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.
Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.
Denn wolln sich beede jänzlich trenn...
Na, un denn-?

Denn is det Kind nich uffn Damm.
Denn bleihm die beeden doch zesamm.
Denn quäln se sich noch manche Jahre.
Er will noch wat mit blonde Haar:
Vorn doof und hinten minorenn...
Na, un denn-?

Denn sind se alt.
Der Sohn haut ab.
Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit-
ach, Menschenskind, wie liecht det weit!

Wie der noch scharf uff Muttern war,
det is schon beinah nich mehr wahr!
Der olle Mann denkt so zurück:
Wat hat er nu von seinem Jlück?
Die Ehe war zum jrößten Teile
vabrühte Milch un Langeweile.
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.


Kurt Tucholsky

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