Dienstag, 12. Juni 2007

Purpurne Regen über dem Meer,
Alles ist Segen, doch ich fühl mich leer.
Hand im Himmel, Sterne gesehen,
Grüß die Narzissen, sie blühen so schön.

Purpurne Regen, war es der Schmerz?
Leuchten die Sterne auch im März?
Wollten wir nicht doch noch lachen?
Oder ist es verschwunden zwischen all dem Hassen?

Hatten wir uns nicht mal so gern?
Was ist passiert, warum bist du mir nah, aber doch so fern?

Purpurne Regen, ich weiß es nicht.
Stumm blickst du in mein Gesicht.
Lächelst mich an, gibst mir die Hand.
Zusammen gehen wir an den Strand

der Unendlichkeit zurück.

Sonntag, 10. Juni 2007

Danach

Es wird nach einem happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.
Man sirht bloß noch in ihre Lippen
den Helden seinen Schnurrbart stippen-
da hat sie nu den Schentelmen.
Na, un denn-?

Denn jehn die beeden brav ins Bett.
Na ja... diß is ja auch janz nett.
A manchmal möchte man doch jern wissen:
Wat tun se, wenn se sih nich kissn?
Die könn ja doch nich imma penn...!
Na, un denn-?

Denn säuselt im Kamin der Wind.
Denn kriecht det junge Paar ´n Kind.
Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.
Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.
Denn wolln sich beede jänzlich trenn...
Na, un denn-?

Denn is det Kind nich uffn Damm.
Denn bleihm die beeden doch zesamm.
Denn quäln se sich noch manche Jahre.
Er will noch wat mit blonde Haar:
Vorn doof und hinten minorenn...
Na, un denn-?

Denn sind se alt.
Der Sohn haut ab.
Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit-
ach, Menschenskind, wie liecht det weit!

Wie der noch scharf uff Muttern war,
det is schon beinah nich mehr wahr!
Der olle Mann denkt so zurück:
Wat hat er nu von seinem Jlück?
Die Ehe war zum jrößten Teile
vabrühte Milch un Langeweile.
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.


Kurt Tucholsky
Gefühle erleben,
Willen erstreben,
Sachen weggeben,
ich hasse den Regen.
Ich wünsche mir,
ich wär ein Tier,
welch da und hier,
nicht sieht ich, sondern wir.
Heut ist ein Tag,
den ich nicht mag,
und ich mich frag,
was keiner wagt.

Montag, 4. Juni 2007

IM       VOR-     FELD

ES
   IST
       EIN
            WEITES

                       F-E-L-D
geräusche hört das lamm in seiner angst nur von weitem

der ganze streit gestern hat ihm nichts ausgemacht

doch nun hat es sich flüchtend gegen den wolf gestellt

strahlt ihm seine angst ins gesicht und faucht

im geiste hätte es weinend die straße verlassen, die ihn in den Tod führte

doch es stellt sich nun heraus, dass es doch weinend die straße verlässt

es weint, wehrt sich, will nicht

ein willen, der nicht willen genug ist

ein weinen, dass keiner erhört, weil kein anderer da ist
kein lamm, kein helfender schutz
niemand
Ich stehe daneben und überleg, was ich dazu dichten kann:

Das Schwein, das schweigt, ist groß.es schweigt, denn nichts ist los. Wirklichkeit ist nicht da.
Träume sind niemals wahr.